Bedeutung
 Norbert Burgmüller Nach einer frühen Aufführung der 2. Sinfonie von Norbert Burgmüller 1864
unter Karl Louis Bargheer, ist Detmold spätestens seit dem Aufschwung
der Grabbe-Forschung unter Alfred Bergmann auch zu einer Stätte der Bewahrung
des Andenkens an Norbert Burgmüller geworden. So bewahrt das Lippische
Literaturarchiv zwei Handschriften des Komponisten und die Lippische
Landesbibliothek eine Anzahl früher Drucke. Zu den Grabbe-Gedenkjahren
1936 und 1986 kamen Werke von Burgmüller zur Aufführung und seit Jahren
bemüht sich ein in Detmold ansässiger Tonträgerhersteller um die Verbreitung
der Kompositionen Burgmüllers und bereitet weitere Einspielungen vor.
Seit neuerer Zeit engagiert sich auch die Grabbe-Gesellschaft für Norbert
Burgmüller und plant Vorträge, Publikationen und Konzerte. Anlässlich
des 200. Geburtstages des Dichters ist ein Kompositionswettbewerb zur
Vertonung des Burgmüller zugedachten Opernlibrettos "Der Cid" von Christian
Dietrich Grabbe ausgeschrieben.
Die folgenden Seiten bieten eine kurze Einführung in Norbert Burgmüllers
Leben und Werk. Interessenten werden gebeten, weitere Auskünfte bei Dr.
Klaus Zehnder-Tischendorf einzuholen.
Biographie
August Joseph Norbert Burgmüller wurde am 8. Februar 1810 in Düsseldorf
als jüngster Sohn einer Musikerfamilie geboren. Der Vater August Burgmüller
(1766-1824) fand nach einem Wanderleben als Theaterkapellmeister 1807
in Düsseldorf seinen endgültigen Wirkungskreis, wurde Städtischer Musikdirektor
und begründete 1818 die Niederrheinischen Musikfeste. August Burgmüller
erfreute sich eines bedeutenden Rufes als Dirigent und Organisator, weniger
als Komponist. Ebenso finden sich Zeugnisse über seine Neigung zum üppigen
Leben, zur Unabhängigkeit und Sorglosigkeit. Der Goethe-Freund Zelter
schrieb ihm umfassende Bildung und künstlerische Autorität zu. Seine
Ehefrau Therese geb. von Zandt (1771-1857) war musikjournalistisch tätig
und eine begabte Sängerin und gesuchte Klavierlehrerin. Norbert Burgmüllers älterer
Bruder Friedrich (1806-1874), der nach einer Anstellung als Musiklehrer
in Mühlhausen sich etwa 1834 in Paris niederliess, brachte es zu Popularität
und Vermögen durch eine kaum überschaubare Zahl von leichten bis seichten
Klavierwerken über beliebte Motive der Zeit. Seine Bekanntheit gründet
sich ferner auf das Ballett "La Péri" und seine bis heute benutzten Klavieretüden.
Norbert Burgmüller besuchte von 1816 bis 1824 eine Elementarschule und
wurde von den Eltern und seinem Bruder Friedrich musikalisch unterwiesen.
Nach dem Tod des Vaters ermöglichte Graf Nesselrode-Ehreshoven dem jungen
Norbert ab 1826 in Kassel bei dem Komponisten, Geiger und Dirigenten
Louis Spohr (1784-1859) und dessen Schüler, dem Theoretiker Moritz Hauptmann
(1792-1868) seine Ausbildung zu vervollständigen. Nach deren Abschluss
blieb Burgmüller in Kassel, erteilte Musikunterricht, war als Korrepetitor
tätig und trat als Pianist und Komponist an die Öffentlichkeit.
Eine Verlobung mit einer deutlich älteren Sängerin des Hoftheater-Ensembles,
Sophia Roland (1804-1830), endete für Burgmüller unglücklich, da die
Braut 1830 das Verhältnis löste. Nach diesem Ereignis sollen bei Burgmüller
erstmalig epileptische Anfälle aufgetreten sein, überdies begann er exzessiv
zu trinken. Noch im selben Jahr kehrte er nach Düsseldorf zurück und
lebte bis zum Tode bei seiner Mutter. Hier verkehrte er in einem Freundeskreis
aus Malern, Dichtern und Musikern und dirigierte einen aus Dillettanten
gebildeten Instrumentalverein.
Wichtige Anregungen und künstlerische Ermunterungen erhielt Burgmüller
von Felix Mendelssohn, der 1833 als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf
verpflichtet wurde. 1835 kam es zur Freundschaft mit Christian Dietrich
Grabbe, die Burgmüller im 19. Jahrhundert zu einer gewissen Bekanntheit
verhalf. Abenteuerliche Berichte über die Zechkumpanenschaft der beiden
Alkoholiker kursierten lange in der Regenbogenpresse. Von mancher Übertreibung
der Zeitzeugen abgesehen, scheint Grabbe in seiner Lebensauffassung Burgmüller
näher als andere gestanden zu haben und schrieb für ihn das Opernlibretto "Der
Cid". In künstlerisch unbefriedigender Situation plante Burgmüller seinem
erfolgreichen Bruder nach Paris zu folgen. Zu dieser Übersiedlung kam
es jedoch nicht mehr. Im Frühjahr 1836 fuhr Burgmüller zur Kur nach Aachen
und starb dort am 7. Mai 1836 unter unklaren Umständen im Bade. Er wurde
in Düsseldorf unter den Klängen eines von Mendelssohn zu diesem Anlass
komponierten Trauermarsches beigesetzt. Grabbe widmete dem Freund einen
verzweifelten Nachruf und kehrte nur wenige Tage später nach Detmold.
Kompositionen und Rezeption
Norbert Burgmüllers musikalisches Werk umfasst 2 Sinfonien (c-moll, op.2 und
D-dur, op.11, teilweise instrumentiert von Robert Schumann), ein Klavierkonzert
(fis-moll, op.1), eine Ouvertüre (f-moll, op.5) und 4 Entr' Actes für kleines
Orchester (op.17). Hinzu treten 4 Streichquartette (d-moll, op.4; d-moll, op.7;
As-dur, op.9; a-moll, op.14) und 23 Lieder (hauptsächlich in den Heften opp.
3, 6, 10 und 12 veröffentlicht) sowie die Klavierwerke Sonate (f-moll, op.8),
Rhapsodie (h-moll, op.13), Polonaise (F-dur, op.16) und Walzer (Es-dur, o.op.).
Ferner ein Duo für Klarinette und Klavier (Es-dur, op.15) und ein "Ständchen" für
Klarinette, Viola und Gitarre (Es-dur, o. op.); schliesslich - sämtlich verschollen
und ohne Opuszahl - ein Opernfragment "Dionys" (nach Schillers Ballade "Die Bürgschaft"),
eine Vertonung des 117. Psalms für Chor mit Solostimmen, eine "Osterkantate" für
Solostimmen, Chor und Orchester und einige Chöre zu öffentlichen Anlässen. Zu
Lebzeiten wurden lediglich das Klavierkonzert, die 1. Sinfonie, das Duo, Teile
des Opernfragmentes und einige Chöre öffentlich aufgeführt. Die meisten der übrigen
Werke kamen erst wesentlich später, manche erst bei einem Konzertzyklus zum Gedenken
des 150. Todestages 1986 in Düsseldorf zur Uraufführung.
Die ersten, vom Leipziger Verleger Friedrich Hofmeister verlegten Werke waren
- zwischen 1838 und 1844 - die Opera 3, 6, 8, 10, 13 und 14. Erst von 1863 bis
1865 veröffentlichte, ebenfalls in Leipzig, der Verlag Kistner eine weitere gewichtige
Gruppe von Werken, darunter alle erhaltenen Orchesterwerke. In Neudrucken sind
heute das Duo op.15 und die Rhapsodie op.13 erhältlich. Weitere Neuausgaben befinden
sich in Vorbereitung. Hauptsächlich durch den Einsatz von Robert Schumann,
bewahrte sich das Wissen um Burgmüllers kompositiorischen Rang in Kennerkreisen
bis zur Jahrhundertwende. Trotz gelegentlicher Konzerte mit seinen Werke schien
diese Tradition abzureissen, ehe um 1930 einzelne Neudrucke und historische Abhandlungen
wieder auf Burgmüller hinwiesen. Erst seit etwa 1980 ist eine vermehrte Beschäftigung
mit dem fast vergessenen Komponisten und seinem Schaffen zu verzeichnen, die
sich in vermehrten Aufführungen und dem Erscheinen von Neudrucken und Tonträgern
sowie musikhistorischen Studien niederschlägt.
Als Abschluss dieser kurzen Einführung kommen zwei bedeutende Komponisten zu
Worte, die Burgmüller manche Anregung für Ihr eigenes Schaffen verdankten. Robert
Schumann eröffnete einen Aufsatz über Burgmüller 1839: "Nach Franz Schuberts
frühzeitigem Tod konnte keiner schmerzlicher treffen als der Burgmüllers. Anstatt
dass das Schicksal einmal in jenen Mittelmässigkeiten decimiren sollte, wie sie
scharenweise herumlagern, nimmt es uns die besten Feldherrentalente selbst weg.
Franz Schubert sah sich zwar noch bei seinen Lebzeiten gepriesen; Burgmüller
aber genoss kaum der Anfänge einer öffentlichen Anerkennung.[...] Zwar kennen
wir nur Weniges von ihm, [...] dies aber reicht hin, die Fülle von Kraft, die
nun gebrochen, auf das Innigste betrauern zu müssen. Sein Talent hat solche leuchtende
Vorzüge, dass über dessen Dasein nur einem Blinden Zweifel aufkommen könnte;
selbst die Masse, glaub' ich, würde er später zur Anerkennung gezwungen, der
Reichtum seiner Melodien müsste sie gepackt haben, wenn sie auch die wahrhaft
künstlerische Bearbeitung der Teile nicht zu würdigen verstanden". - Johannes
Brahms schrieb 1854 in einem Brief an Clara Schumann: "Von Norbert Burgmüller
fand ich eine wunderliche Rhapsodie (op.13), die tief rührt, auch unter seinen
Liedern prächtige. Sie werden sich freuen, die Sachen kennenzulernen, wenn Sie
Ihnen unbekannt sind".
Links: Burgmueller.com
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